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Implantate

Titan oder Keramik-Implantat: Vergleich nach S3-Leitlinie

Dr. Oliver KätherZuletzt aktualisiert: 06.08.202610 Min. Lesezeit

Medizinisch geprüft von Dr. Oliver Käther

Auf einen Blick

Titan ist der international etablierte Standard mit den umfangreichsten Langzeitdaten. Für Keramikimplantate aus Zirkondioxid gibt es seit 2022 eine eigene S3-Leitlinie der DGI: Einteilige Keramikimplantate gelten darin als valides Verfahren und können als Alternative empfohlen werden; für zweiteilige Systeme fehlen belastbare Langzeitdaten, sie sollten nur nach ausführlicher Aufklärung eingesetzt werden.

Worin sich Titan und Keramik unterscheiden

Beide Materialien dienen als künstliche Zahnwurzel, der Unterschied liegt im Werkstoff.

Titan ist ein Metall, das seit Jahrzehnten in der Implantologie verwendet wird und sehr gut mit dem Knochen verwächst. Keramik besteht aus Zirkonoxid, einer weißen Hochleistungskeramik, und kommt vollständig ohne Metall aus.

Beide sind biokompatibel, das heißt, der Körper nimmt sie an, ohne sie als Fremdkörper abzustoßen. Der praktische Unterschied zeigt sich in vier Punkten: Ästhetik, Verträglichkeit, Einheilung und Kosten.

Der direkte Vergleich

KriteriumTitanKeramik (Zirkonoxid)
MaterialMetall, bewährter Standardmetallfrei, weiße Keramik
Ästhetikkann bei dünnem Zahnfleisch dunkel durchschimmernweiß, schimmert nicht durch
Verträglichkeitsehr gut, sehr selten Unverträglichkeitenmetallfrei, allergiefrei
Einheilzeitin der Regel 3 bis 6 Monatetendenziell länger, oft keine Sofortbelastung
MRTkann Bildartefakte verursachenkeine Artefakte
Langzeitdatenseit Jahrzehnten dokumentiertgut, aber kürzer dokumentiert
KostengünstigerAufpreis meist 500 bis 1.500 Euro
Flexibilität bei Aufbauteilenhochetwas eingeschränkter

Wann Titan die bessere Wahl ist

Titan ist in den meisten Standardfällen die solide Wahl. Es ist robust, vielseitig und für nahezu jede Ausgangssituation geeignet, auch in komplexeren Fällen und bei Sofortimplantationen. Wer keine Metallunverträglichkeit hat und im nicht sichtbaren Seitenzahnbereich versorgt wird, fährt mit Titan in der Regel sehr gut und günstiger.

Wann Keramik die bessere Wahl ist

Keramik lohnt sich vor allem in drei Situationen. Erstens bei Metallunverträglichkeit oder dem ausdrücklichen Wunsch nach einer metallfreien Versorgung. Zweitens im sichtbaren Frontzahnbereich, besonders bei dünnem Zahnfleisch, wo Titan dunkel durchschimmern könnte. Drittens bei Patienten, die regelmäßig zur MRT müssen oder Wert auf möglichst geringe Plaqueanlagerung legen.

Dr. Oliver Käther

Dr. Käther empfiehlt

Lassen Sie sich nicht allein vom Material leiten. Entscheidend ist Ihre konkrete Situation, also wo der Zahn fehlt, wie Ihr Zahnfleisch aussieht und wie viel Knochen vorhanden ist. In der Untersuchung sehe ich, welches Material in Ihrem Fall das bessere Ergebnis bringt, und sage es Ihnen ehrlich.

Was die S3-Leitlinie zu Keramikimplantaten sagt

Seit Dezember 2022 gibt es erstmals eine S3-Leitlinie zu Keramikimplantaten — federführend erstellt von der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) mit 18 beteiligten Fachgesellschaften.

Empfehlung Nummer 1 der Leitlinie lautet sinngemäß: Einteilige Keramikimplantate auf Zirkondioxidbasis, deren Erfolgs- und Überlebensraten in Studien positiv bewertet wurden, sind ein valides und einsatzreifes Therapieverfahren und können als alternative Therapieoption empfohlen werden (S3-Leitlinie Keramikimplantate, AWMF 083-039). Die Leitlinie ist bis Dezember 2027 gültig.

Für zweiteilige Keramikimplantate ließ sich aus der Datenlage keine abschließende Empfehlung ableiten; ihr Einsatz sollte nur erfolgen, nachdem über die fehlenden klinischen Langzeitdaten ausführlich aufgeklärt wurde (Publikation zur Leitlinie, Int J Implant Dent).

Titanimplantate sind in Deutschland seit 1982 wissenschaftlich anerkannt. Umfangreiche prospektive Langzeitstudien haben sie zum Standard in der oralen Implantologie gemacht — das ist der wesentliche Unterschied zur Keramik, nicht ein Qualitätsurteil gegen Zirkondioxid.

Material: worauf es bei Zirkondioxid ankommt

Anders als bei Titan hängen die Eigenschaften von Keramikimplantaten stark vom Hersteller und vom Produktionsverfahren ab.

Standardwerkstoff ist heute mit Yttrium stabilisiertes Zirkondioxid; neuere Generationen enthalten zusätzlich geringe Mengen Aluminiumoxid, um die Biegefestigkeit zu erhöhen. Die DGI betont ausdrücklich die Bedeutung der Herstellerexpertise: Zusammensetzung, Zusatzstoffe und Produktionsprozess bestimmen die mechanischen Eigenschaften mit.

Ein weiterer Punkt aus der Leitlinienarbeit ist ehrlicherweise zu nennen: Weil Systeme laufend weiterentwickelt und ältere Modelle vom Markt genommen werden, verzögert sich der Aufbau von Langzeitdaten. Studienergebnisse beziehen sich damit nicht immer auf das Produkt, das heute eingesetzt wird.

Wussten Sie?

Zu Gewebeintegration und Einheilung berichten präklinische und klinische Untersuchungen ähnliche Ergebnisse für Titan und Zirkondioxid, sofern die Keramikoberfläche mittelrau modifiziert ist. Glatte Keramikoberflächen heilen langsamer ein.

Wie wir in Pulheim entscheiden

Die Materialfrage steht am Ende der Planung, nicht am Anfang.

  1. Befund: Wo fehlt der Zahn, wie viel Knochen ist vorhanden, wie dick ist das Zahnfleisch?
  2. Ästhetische Relevanz: Ist die Stelle beim Sprechen und Lachen sichtbar?
  3. Ihre Vorgeschichte: bekannte Unverträglichkeiten, Wunsch nach metallfreier Versorgung, geplante MRT-Untersuchungen
  4. Prothetik: Welcher Aufbau ist geplant, ist eine Sofortversorgung vorgesehen?
  5. Kosten: Für Keramik ist meist ein Aufpreis einzuplanen, den wir vorab im Heil- und Kostenplan ausweisen

Details zum Vorgehen bei metallfreien Versorgungen finden Sie unter Keramikimplantate, die Kostenaufstellung unter Kosten für Zahnimplantate. Wie lange Implantate generell halten, zeigt der Artikel Wie lange halten Zahnimplantate?.

Welches Material passt zu Ihnen?

In einem Erstgespräch in Pulheim schaue ich mir Ihre Situation an und empfehle Ihnen ehrlich Titan oder Keramik.

Erstgespräch vereinbaren

Häufige Fragen

Sind Keramikimplantate offiziell anerkannt?

Ja. Die S3-Leitlinie der DGI von Dezember 2022 bewertet einteilige Keramikimplantate aus Zirkondioxid als valides und einsatzreifes Verfahren, das als Alternative empfohlen werden kann. Für zweiteilige Systeme fehlen belastbare Langzeitdaten; sie sollten nur nach ausführlicher Aufklärung eingesetzt werden.

Ist Titan gefährlich oder allergieauslösend?

Echte Titanallergien sind sehr selten. Titan ist seit 1982 in Deutschland wissenschaftlich anerkannt und durch umfangreiche Langzeitstudien belegt. Bei bekanntem Wunsch nach metallfreier Versorgung oder dokumentierter Unverträglichkeit ist Keramik eine Option.

Warum kosten Keramikimplantate mehr?

Material, Fertigung und die prothetischen Komponenten sind aufwendiger, außerdem ist die Auswahl an Aufbauteilen kleiner. Den konkreten Aufpreis weisen wir vor der Behandlung im Heil- und Kostenplan aus.

Verursachen Titanimplantate Probleme im MRT?

Titan ist nicht magnetisch und stellt für gängige MRT-Untersuchungen kein Sicherheitsproblem dar, kann aber lokale Bildartefakte erzeugen. Zirkondioxid verursacht diese Artefakte nicht.

Heilt Keramik langsamer ein als Titan?

Bei mittelrau modifizierten Keramikoberflächen berichten Studien eine mit Titan vergleichbare Einheilung; glatte Keramikoberflächen integrieren sich langsamer. Wie lange wir im Einzelfall abwarten, hängt außerdem von Knochenqualität und Belastungsplan ab.

Dr. Oliver Käther

Über den Autor

Dr. Oliver Käther

Zahnarzt & Praxisinhaber

Dr. Oliver Käther ist Gründer und Inhaber der Zahnarztpraxis in Pulheim. Seine Schwerpunkte liegen in der Implantologie, Parodontologie und ästhetischen Zahnmedizin. Er ist Mitglied der DGI, DG PARO und APW.

Alle Inhalte dieses Artikels wurden medizinisch geprüft von Dr. Oliver Käther.

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