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Zahnerhalt

Zahnfleischrückgang: Ursachen, Selbsthilfe und Behandlung

Dr. Oliver KätherZuletzt aktualisiert: 26.06.20267 Min. Lesezeit

Medizinisch geprüft von Dr. Oliver Käther

Auf einen Blick

Zahnfleischrückgang ist weit verbreitet und in vielen Fällen harmlos. Die Ursachen reichen von natürlicher Veranlagung über zu starken Putzdruck bis zu Zahnfleischerkrankungen. Wer die Ursache kennt und abstellt, kann den Rückgang oft stoppen und dem Zahnfleisch die Chance geben, sich teilweise zu erholen. Reicht das nicht, helfen chirurgische Verfahren mit guten Ergebnissen.

Was ist Zahnfleischrückgang?

Zahnfleischrückgang bedeutet, dass sich das Zahnfleisch von der Zahnkrone in Richtung Wurzel zurückzieht und dabei Bereiche freilegt, die normalerweise bedeckt sind.

Betroffen ist meist der Zahnhals, der Übergang zwischen der sichtbaren Krone und der im Knochen verankerten Wurzel.

In meiner Praxis kommen Patienten mit zwei Sorgen zu mir, wenn sie freiliegende Zahnhälse bemerken. Die eine betrifft die Ästhetik, die andere die Gesundheit, weil viele befürchten, dahinter stecke eine ernste Erkrankung. Beide Sorgen sind verständlich, aber meistens weniger berechtigt als befürchtet. Zahnfleischrückgang hat häufig harmlose Ursachen und lässt sich in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen.

Welche Ursachen hat Zahnfleischrückgang?

Die Ursachen lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe umfasst natürliche Faktoren, die zweite Gewohnheiten und Erkrankungen, die sich behandeln lassen.

Natürliche Ursachen lassen sich kaum beeinflussen und sind kein Zeichen für eine Erkrankung:

UrsacheErklärung
KnochenanatomieBei manchen Menschen ist der Kieferknochen von Natur aus dünn, besonders an den Frontzähnen. Das Zahnfleisch weicht dann leichter zurück.
ZahnfleischtypDünnes Zahnfleisch ist anfälliger als dickes, weil es weniger Gewebe als Puffer hat.
KieferorthopädieWerden Zähne durch eine Spange bewegt, folgt das Zahnfleisch der Bewegung nicht immer vollständig.
AlterMit den Jahren zieht sich das Zahnfleisch bei den meisten Menschen leicht zurück. Das ist ein normaler Prozess.

Beeinflussbare Ursachen lassen sich gezielt abstellen:

UrsacheErklärung
zu starker PutzdruckZu viel Kraft und eine harte Bürste schädigen das Zahnfleisch mechanisch, das Gewebe wird regelrecht weggeschrubbt.
falsche KaukräfteNächtliches Knirschen oder Pressen übt enormen Druck aus, der Knochen baut sich ab und das Zahnfleisch folgt.
EntzündungenBakterielle Beläge führen zu einer Zahnfleischentzündung. Unbehandelt kann daraus eine Parodontitis werden, bei der Knochen und Zahnfleisch dauerhaft verloren gehen.

Was können Sie selbst gegen Zahnfleischrückgang tun?

Sehr viel, bevor eine Behandlung nötig wird. Der wichtigste Schritt ist, die Ursache zu erkennen und abzustellen.

Ist der auslösende Faktor weg, kann sich das Zahnfleisch in gewissem Maß erholen. Wunder sind dabei nicht zu erwarten, das Ausmaß hängt von Ihrer Anatomie und Ihren Gewohnheiten ab.

Vier Maßnahmen haben sich bewährt:

  • Ursache abstellen: Bei zu starkem Druck auf eine weiche Bürste und eine sanfte Technik wechseln. Bei Knirschen hilft oft eine Aufbissschiene.
  • Entzündungsfreiheit herstellen: Nur entzündungsfreies Zahnfleisch kann sich erholen. Ein einfacher Test: Blutet das Zahnfleisch beim Putzen schnell, ist es entzündet.
  • Auf die Allgemeingesundheit achten: Rauchen verschlechtert die Durchblutung erheblich und macht eine Erholung nahezu unmöglich.
  • Geduld mitbringen: Geben Sie dem Zahnfleisch mindestens sechs Monate Zeit, bevor Sie über einen Eingriff nachdenken.
Dr. Oliver Käther

Dr. Käther empfiehlt

Die häufigste Ursache, die ich sehe, ist zu starker Putzdruck mit einer harten Bürste. Viele sind überrascht, wie schnell sich das Zahnfleisch stabilisiert, wenn sie nur die Technik umstellen. Halten Sie die Zahnbürste wie einen Stift zwischen Daumen und Zeigefinger, nicht in der Faust. So reduzieren Sie den Druck automatisch.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wenn sich das Zahnfleisch nicht von allein erholt und der Befund Sie funktionell oder ästhetisch stört, kommt eine Zahnfleischoperation infrage. Dabei wird Gewebe von einer anderen Stelle im Mund an die betroffene Stelle versetzt.

Es gibt zwei grundlegende Verfahren:

  • Verschiebelappen-Technik: Zahnfleisch von einer direkt benachbarten Stelle wird zum Defekt hin verschoben. Das Gewebe bleibt mit seiner Blutversorgung verbunden, was die Einheilung verbessert.
  • Freies Schleimhauttransplantat: Ein Gewebestück, meist vom Gaumen, wird entnommen und auf den Bereich aufgebracht. So lassen sich größere Defekte versorgen, oft mit einem ästhetisch besseren Ergebnis.

Diese Eingriffe sind wirksam und erzielen oft sehr gute Ergebnisse. Mir ist aber wichtig, dass meine Patienten realistische Erwartungen haben. Es handelt sich um einen chirurgischen Eingriff mit Heilungszeit, und das Ergebnis hängt von vielen individuellen Faktoren ab.

Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten für Zahnfleischtransplantationen in der Regel nicht, da sie als ästhetische Korrektur gelten. Eine individuelle Einschätzung zu Möglichkeiten und Kosten besprechen wir gern in der Praxis.

Wenn der Rückgang schnell fortschreitet, mit Zahnfleischbluten einhergeht oder Schmerzen verursacht, sollten Sie zeitnah einen Termin vereinbaren. In seltenen Fällen steckt eine behandlungsbedürftige Parodontitis dahinter.

Sie haben Fragen zu Ihrem Zahnfleisch? Vereinbaren Sie einen Beratungstermin in Pulheim. Wir untersuchen Ihren Befund und besprechen, ob und welche Behandlung sinnvoll ist.

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Häufige Fragen

Kann Zahnfleisch von alleine nachwachsen?

In begrenztem Umfang ja. Ist die Ursache beseitigt und das Zahnfleisch entzündungsfrei, kann es sich teilweise erholen. Eine vollständige Regeneration bei fortgeschrittenem Rückgang ist ohne Operation allerdings unwahrscheinlich.

Ist Zahnfleischrückgang immer ein Zeichen für Parodontitis?

Nein. Oft liegt keine Erkrankung vor. Häufige Ursachen sind zu starker Putzdruck, dünnes Zahnfleisch oder kieferorthopädische Bewegungen. Eine Parodontitis wird zusätzlich von Zahnfleischbluten und Taschenbildung begleitet.

Welche Zahnbürste eignet sich bei freiliegenden Zahnhälsen?

Eine weiche Bürste mit abgerundeten Borsten. Elektrische Bürsten mit Drucksensor helfen, weil sie warnen, wenn Sie zu fest drücken. Vermeiden Sie harte Bürsten und stark schmirgelnde Zahnpasten.

Macht eine Operation Sinn, wenn ich weiter rauche?

Rauchen verschlechtert die Wundheilung und die Durchblutung erheblich, die Erfolgsaussichten sind dann deutlich geringer. Ich rate, vor dem Eingriff aufzuhören oder das Rauchen zumindest stark zu reduzieren.

Dr. Oliver Käther

Über den Autor

Dr. Oliver Käther

Zahnarzt & Praxisinhaber

Dr. Oliver Käther ist Zahnarzt und Praxisinhaber mit Schwerpunkt auf Zahnerhalt und Parodontologie. Er legt großen Wert darauf, seinen Patienten komplexe zahnmedizinische Zusammenhänge verständlich zu erklären.

Alle Inhalte dieses Artikels wurden medizinisch geprüft von Dr. Oliver Käther.

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